Deutsches Bundesverfassungsgericht kippt Sterbehilfeverbot

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat am Mittwoch 25.2.2020 eine deutliche Entscheidung getroffen: Das 2015 eingeführte Verbot geschäftsmässiger Sterbehilfe ist verfassungswidrig. Es verstösst gegen das Grundgesetz, weil es den assistierten Suizid faktisch verunmöglicht. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht, so argumentieren die Verfassungsrichter, umfasse auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. «Dieses Recht schliesst die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und dabei auch Angebote von Dritten in Anspruch zu nehmen», sagte Gerichtspräsident Andreas Vosskuhle am Mittwoch in Karlsruhe.

Das Urteil verpflichtet keinen Arzt, Sterbehilfe zu leisten. Aber das Gericht entschied, dass es ein Recht gibt, mit Hilfe Dritte aus dem Leben zu scheiden. Unheilbar kranke Deutsche müssen damit nicht mehr in die Schweiz reisen, um den assistierten Suizid auszüben. Aktive Sterbehilfe bleibt auch in Deutschland verboten.

EXIT: Zahl der Freitodbegleitungen sinkt in der Schweiz

Laut der Sterbehilfeorganisation Exit liessen sich 2019 862 Personen durch Mitarbeitende der Organisation in den Tod begleiten. Gemäss den Zahlen des Vereins sind das 43 weniger als im Vorjahr.

Ganzer Bericht hier:

https://www.tagblatt.ch/news-service/vermischtes-people/exit-meldet-mehr-mitglieder-machte-2019-aber-weniger-freitodbegleitungen-ld.1197659

Spirituelle Solidarität bis zum Schluss

Die evangelische Pfarrerin Ella de Groot.

Pfarrerin Ella de Groot (Gümligen) zum assistierten Suizid: „Als Pfarrerin setze ich mich dieser emotionalen Ambivalenz – das Leiden soll ein Ende haben, dem Leben hingegen darf kein Ende gesetzt werden – aus und versuche, das Gefühl der Ohnmacht zusammen mit den Betroffenen zu ertragen. Wenn der Entscheid gefallen ist, biete ich an, die sterbenswillige Person, die keinen anderen Weg sieht, auch beim Vollzug der Suizid-Handlung zu begleiten. Wichtig ist mir, vorher mit den Betroffenen über die Gestaltung des Moments des Abschieds zu reden und zu klären, wen ich in diesem Moment begleiten soll, die sterbende Person oder ihre Angehörigen.“

Den ganzen Artikel hier:

https://www.bluewin.ch/de/leben/lifestyle/kirche-und-assistierter-suizid-solidaritaet-bis-zum-ende-316762.html

Die Gewissheit, jederzeit sterben zu dürfen, gab ihr Kraft

Marieke Vervoort hat die letzten Momente in ihrem Leben so verbracht, wie sie es sich gewünscht hatte: mit einem Glas Sekt in der Hand, noch einmal anstoßen mit der Familie und Freunden – dann der endgültige Abschied. „Bis zu ihrer letzten Minute führte sie Regie über ihr Leben“, sagte ihr Arzt Wim Distelmans der Tageszeitung „De Standaard“. Und: „Die Gewissheit, jederzeit sterben zu dürfen, gab ihr Kraft.“

Mehr dazu hier:

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/marieke-vervoort-paralympics-siegerin-aus-belgien-tod-durch-sterbehilfe-a-1292862.html

NZZ vom 30.12.2019, Seite 31

Suizidbeihilfe und ärztliches Ethos (Dissertation)

Die Vereinbarkeit von Suizidbeihilfe und ärztlichem Ethos stellt eine der dringlichsten Fragen der modernen Medizin dar. Die vorliegende Studie greift die aktuelle Diskussion dieser Frage mit Blick auf die schweizerische Situation auf. Aus der Einsicht, dass der gefühlte Verlust von persönlicher Autonomie den Suizidwunsch hervorruft, wirft die Studie die bioethische Folgefrage auf, ob alle Menschen Personen sind. Unter Bezug auf das Denken von Paul Ricœur erklärt die Studie, weshalb jeder Mensch, unabhängig von seinen realen Fähigkeiten, als autonome Person zu betrachten und als solche mit der Herausforderung konfrontiert ist, die eigene Einsamkeit zu überwinden. Die Suizidbeihilfe erweist sich jedoch gerade hier als problematisch, da sie die wechselseitige Anerkennung zerstört und die Einsamkeit des Einzelnen bestätigt. Die richtige, dem ärztlichen Ethos entsprechende Antwort auf die menschliche Not, die dem Suizidwunsch zugrunde liegt, ist hingegen die Palliative Care. Denn sie ermöglicht ein Sterben, das Selbstschätzung und Selbstachtung fördert und damit die Anerkennung des Menschen als autonome Person verwirklicht. Jeder Mensch sollte diese Anerkennung in seinem gesamten Leben erfahren. Sie zu realisieren, stellt eine gesellschaftliche Herausforderung dar, zu deren Bewältigung gerade auch der christliche Glaube beitragen kann, bildet er doch eine Ressource, Menschen zusammenzuführen und Anonymität zu überwinden.

Mehr zu dieser ethisch-theologischen Arbeit hier:

https://www.orellfuessli.ch/shop/home/suggestartikel/ID123126975.html?sq=Buchs,%20S:%20%C3%84rzteethos%20und%20Suizidbeihilfe&stype=productName

Leseprobe hier:

https://books.google.ch/books?id=WEFnDwAAQBAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

%d Bloggern gefällt das: