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Podcast: Über das «letzte Stündchen» reden

Der unabhängige Podcast «Das letzte Stündchen» erscheint einmal monatlich und behandelt Themen rund um das Lebensende, das Sterben, den Tod und die Trauer. Die Journalistin, Autorin und Kommunikationsfachfrau Elena Ibello redet mit Menschen aus allen möglichen Lebensbereichen, die dazu etwas zu sagen haben, wie es in einer Mitteilung heisst. Das biete verschiedene Perspektiven auf das Sterben und rege zum Nachdenken an – über den Tod und damit über das Leben.

Mehr dazu hier:

https://www.persoenlich.com/gesellschaft/uber-das-letzte-stundchen-reden

Den Tod verantworten (Kolumne von Barbara Bleisch)

Der Tod ist allgegenwärtig: Keine Zeitung, keine Nachrichtensendung, die nicht von Übersterblichkeit, Corona-Toten und einsamem Sterben auf Intensivstationen berichtet.

Die vielen Todesopfer gehen uns nahe. Einige meinen: zu nahe. Dass wir so gebannt auf die Opferkurven starrten, habe seinen Grund darin, dass wir den Tod verdrängt hätten. Dabei müsse akzeptiert werden, dass er zum Leben gehöre und Corona seine Opfer fordere, so wie im Übrigen jede Grippe und auch das ganz normale Alter.

Die These von der Verdrängung des Todes ist alt. Gern wird sie untermauert mit Geschichten von früher: Im Dorf habe noch das Totenglöcklein geläutet, wenn jemand das Zeitliche gesegnet habe. Im Bauernhaus habe es das Seelenfensterchen gegeben, das geöffnet worden sei, wenn jemand verstorben gewesen sei. Und die Toten habe man in der guten Stube aufgebahrt, statt sie in Windeseile wegzubringen.

Von diesem Brauchtum ist tatsächlich wenig geblieben. Verdrängt wird der Tod dennoch nicht. Im Gegenteil: Über den Tod wird so viel geredet und geschrieben wie kaum zuvor. Jahr für Jahr erscheint eine Flut von Büchern mit Titeln wie «Sterben lernen. Das Buch für den Abschied», «Über selbstbestimmtes Sterben» oder «So sterben wir».

An Hochschulen werden «Sterbesettings», «Transmortalität» und «digitale Sterbekulturen» erforscht. In den rund um die Welt stattfindenden «death cafés» trifft man zwar nicht auf Gevatter Tod, aber auf andere, die über die letzten Dinge diskutieren wollen. Ganz Morbide lassen sich schon zu Lebzeiten symbolisch bestatten im Rahmen eines «living funeral». Was erledigt ist, ist erledigt.

Auch über die Frage, wie wir sterben wollen, machen wir uns heute Gedanken. Viele haben eine Patientenverfügung und besprechen mit ihren Nächsten, wie sie ihre letzte Ruhe finden möchten: klassisch im Sarg oder eingeäschert in der Urne? Beigesetzt auf dem Friedhof, seebestattet oder lieber im Wald ausgestreut? Selbstbestimmt bis in den Tod war gestern. Heute mögen wirs selbstbestimmt über den Tod hinaus.

Dass der Tod in unserer Gesellschaft verdrängt wird, ist also ein Mythos. Gewandelt hat sich indes unser Verhältnis zur Religion. Deshalb läutet das Totenglöcklein nicht mehr, und das Seelenfensterchen fehlt im Neubau. Wo kein Glaube an eine Seele ist, braucht es für sie auch keinen Ausgang vom Diesseits ins Jenseits.

Das eigene Sterben nehmen wir hingegen gern frühzeitig in die Hand. Dass wir dies überhaupt können, verdanken wir den ungeheuren Fortschritten in der Medizin. Noch vor hundert Jahren gab es nicht einmal Antibiotika. Der Tod raffte die Menschen dahin, und sie hatten ihm wenig entgegenzusetzen.

Heute überfällt uns der Tod nur noch selten hinterrücks. Viel häufiger erfolgt das Sterben langsam. Im Lauf dieses Prozesses kann vieles getan oder unterlassen werden. Entscheidend ist nicht mehr allein das Schicksal, das nach dem Leben greift, sondern immer öfter sind wir es, die über Leben und Tod verfügen.

Das gilt auch im Bezug auf Todesopfer, die wir als Nebeneffekt unseres Freiheitsgebrauchs in Kauf nehmen. Der Strassenverkehr fordert laut WHO weltweit rund 1,35 Millionen Opfer pro Jahr. Der Tod wird in Risikoabwägungen längst einkalkuliert. Über das richtige Kalkül entscheidet nicht das Schicksal, sondern wir. Entscheidungsfreiheit eröffnet immer willkommene Gestaltungsspielräume. Sie nimmt uns aber auch in die Verantwortung, uns und anderen gegenüber Rechenschaft darüber abzulegen, warum wir diese Räume so und nicht anders genutzt haben.

Dass die Corona-Opferzahlen uns so beelenden, ist nicht dem Umstand geschuldet, dass wir den Tod verdrängt hätten – sondern dem Umstand, dass wir wissen, dass zumindest ein Teil der Todesopfer hätte vermieden werden können. Je mehr wir wissen und vermögen, desto weniger können wir dem Schicksal in die Schuhe schieben. Unser Umgang mit dem Tod ist damit nicht leichter, sondern schwerer geworden.

Barbara Bleisch Die Philosophin schreibt abwechselnd mit Laura de Weck, Michael Hermann und Rudolf Strahm.

Quelle: Der Bund, 19.1.2021

https://epaper.derbund.ch/index.cfm/epaper/1.0/share/default?defId=46&publicationDate=2021-01-19&newspaperName=Der%20Bund&pageNo=10&articleId=119914319&signature=52580F8067435E5855139A47540B52D9690C99ED
Interessanter Artikel aus Der Bund E-Paper

Umgang mit dem Tod – «Covid macht uns deutlich, was es zum Sterben brauchen würde»

Etwa die Hälfte der Corona-Todesfälle finden in Alters- und Pflegeheimen statt. Wer dort Angehörige besucht, sieht immer wieder neue Fotos von verstorbenen Altersheimbewohnerinnen und -bewohnern. Wie die Gesellschaft dem Tod begegnen könnte, sagt Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle.

Mehr dazu hier:

https://www.srf.ch/news/schweiz/umgang-mit-dem-tod-covid-macht-uns-deutlich-was-es-zum-sterben-brauchen-wuerde

Wegen Corona schwindet das Vertrauen in Schweizer Altersheime

Über die Hälfte aller Corona-Toten in der Schweiz lebte in Pflegeheimen. Fast täglich erscheinen Meldungen über neue Infektionsherde, die viele Bewohner das Leben kosten. Laut Experten werden die Negativschlagzeilen die Alterspflege grundlegend verändern. «Die ablehnende Haltung hat sich verstärkt», sagt Altersforscher François Höpflinger. Bereits spüren die Heime, dass Familien zurückhaltender sind, ihre Verwandten dort zu platzieren, und beklagen zunehmende Leerbestände.

https://epaper.sonntagszeitung.ch/index.cfm/epaper/1.0/share/email?defId=10000&publicationDate=2021-01-17&newspaperName=SonntagsZeitung&pageNo=1&articleId=119889132&signature=91DD570CB0F5BCBACC31B09FB76BA754BCFD455A

Melitta Breznik: «Ich wollte das Sterben ins Leben zurückholen»

Melitta Breznik hat ihre todkranke Mutter bis zum Schluss gepflegt. Sie sagt: Sterbende Angehörige zu begleiten, sei zwar schwer. Aber es lohne sich.

Mehr dazu hier:

https://nzzas.nzz.ch/kultur/melitta-breznik-ich-wollte-das-sterben-ins-leben-zurueckholen-ld.1596746

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