• Praxistage

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    Für Alters- und Pflegeheime, sowie für Spitex-Betriebe führe ich einzelne Praxistage durch. An diesen Tagen pflege ich in komplexen Betreuungssituationen unter Berücksichtigung einer (oder mehrerer) Fragestellungen aus dem Team mit. Im Anschluss daran werden Beobachtungen im interprofessionellen Team ausgetauscht, ausgewertet, um gemeinsam Antworten auf die Fragestellung(en) zu finden. Ein Arbeitsblatt nach SENS (Standortbestimmung/Evaluation), sowie das Protokoll nach SENS sind wertvolle Strukturhilfen.

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Zur Erholung in Engelberg

Foto: Sonntagszeitung 11.10.2020 / Presseschau

Manuela Baldus, 37, ist eine von 1000 medizinischen Fachkräften, die eine Woche Ferien in Engelberg OW gewonnen haben. Mit der Aktion will das Klosterdorf in der Zentralschweiz den Frauen und Männern im Gesundheitswesen für ihren unermüdlichen Einsatz während der Corona-Krise danken. 7000 Personen haben an der Verlosung teilgenommen, vorwiegend Pflegepersonal aus Spitälern, sagt Tourismusdirektor Andres Lietha.

Seit Juni und bis Mitte Dezember erholen sich die Gewinner in Engelberg, allein diese Woche waren 30 Gewinnerinnen vor Ort. Über sechs Übernachtungen mit Frühstück in einem Drei- oder Viersternhotel dürfen sie sich freuen sowie über Tickets für die Bergbahnen und andere Vergünstigungen, «die Solidaritätsaktion wird von der ganzen Destination Engelberg-Titlis getragen», sagt Lietha.

Sie hat Patienten beim Sterben begleitet

Manuela Baldus kommt gerade vom Frühstück, sie schwärmt vom Buffet – und vom Schutzkonzept, alle Hotelgäste würden sich daran halten. Sie ist im Hotel Ter- race untergebracht, drei Sterne, «es hätte aber vier Sternli verdient», findet sie. Vom Zimmer aus sehe sie fast den Titlis. Sie werde verwöhnt, fühle sich im Jugendstil-Palast wie eine Königin. Corona sei weit, weit weg.

Seit elf Jahren arbeitet die diplomierte Pflegefachfrau im Kantonsspital Baselland. Das Bruderholzspital wurde während des Lockdown zum Corona-Kompetenzzentrum – ausschliesslich Covid-Patienten wurden behandelt, allein auf ihrer Station lagen Dutzende am Virus erkrankte Menschen.

Baldus war an der Front. Mit Mundschutz und Schutzbrille, Schutzkittel und Handschuhen, hat sie sich um die Kranken gekümmert, sie beim Essen und bei der Körperpflege unterstützt, Infusionen gelegt und Schmerzmittel verabreicht. «Ich bin von Zimmer zu Zimmer gedüst, es war extrem heiss, ich bin körperlich an meine Grenzen gestossen.»

Vor allem aber die seelischen Strapazen haben ihr zugesetzt: «Das totale Besuchsverbot hat mich enorm belastet.» Sie wurde zur Verbindungsperson zwischen Patient und Angehörigen. Sie war es, die den Kranken aufmunterte, ihm Hoffnung gab. Sie wurde zur nächsten Vertrauten todkranker Patienten: «Ich hielt ihre Hand. Ich begleitete sie beim Sterben.»

Sie war es schliesslich auch, die die Angehörigen getröstet hat. Wie ist mein Mann gestorben?, wurde sie gefragt. Musste er leiden? Hat er noch etwas gesagt? Ergreifende, traurige Momente. Aber im Ganzen auch eine wertvolle, prägende Zeit sei es gewesen, sagt Baldus.

Die geplanten Ferien im April wurden gestrichen. Die Einweihung des Hauses in Leymen im Elsass verschoben. Dass sie weiterhin mit ihrem Partner zusammenleben durfte, war nur möglich, weil auch er keinen Kontakt zu anderen Menschen pflegte – «er war immer für mich da, hat grossen Respekt vor meiner Arbeit». Treffen mit Bekannten hat sie gemieden, «und ich wurde gemieden», sagt Baldus: «Die Leute hatten Angst, wir Pflegenden könnten das Virus übertragen.» Aber die Extremsituation habe das Spitalteam zusammengeschweisst, «wir haben gut zueinander geschaut».

Ende März standen die Menschen auf den Balkonen, klatschten Beifall für die Corona-Helferinnen und -Helfer. Die Schweiz sagt Danke! Merci! Grazie! Grazia!, titelten die Zeitungen. Baldus sagt, der Applaus habe sie eher befremdet. Plötzlich Heldinnen? Wir setzen uns doch immer für kranke Menschen ein. Warum bekommen wir nicht immer diese Anerkennung?

Natürlich seien sie während des Lockdown respektvoll und freundlich behandelt worden, «besonders die Patienten waren dankbar für alles». Leider aber habe die Wertschätzung nicht überall angehalten, «der Egoismus war schon im Sommer wieder zurück, es ist wie vor Corona». Manuela Baldus geht es nicht um mehr Lohn, sondern um Respekt. Sie wolle für die Mitmenschen da sein, sie arbeite mit Herzblut – «als Pflegefachfrau gibt man viel von sich». Deshalb sei sie jetzt auch ganz bewusst allein nach Engelberg gereist. Sie will wieder zu sich selbst finden, zur Ruhe kommen.

Gliedmassen mussten amputiert werden

Was hält sie von den Corona-Skeptikern, die sich in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen und etwa gegen die Maskenpflicht auf die Strasse gehen? Baldus sagt: «Covid-19 ist keine Verschwörungstheorie, das Virus ist da, ich habe sein Gefahrenpotenzial mit eigenen Augen gesehen.» In ihrer Familie sei «gottlob» niemand erkrankt. Aber sie kennt Menschen, die auch lange nach dem Spitalaufenthalt nur mit Mühe atmen können. Denen als Folge des Sauerstoffmangels sogar Gliedmassen amputiert werden mussten. Ihr soll niemand sagen, Corona sei nicht schlimmer als eine Grippe.

Sie jedenfalls trägt auch dann eine Maske, wenn sie nicht müsste. In der Migros in Engelberg zum Beispiel, den schrägen Blicken zum Trotz. Die Fachfrau geht davon aus, dass die befürchtete «zweite Welle» kommen wird. Dass auch die schweren Krankheitsverläufe wieder zunehmen werden. Sie wäre sofort bereit, sich erneut «mit vollem Elan» für die Covid-Patienten einzusetzen.

Aber noch hat sie Ferien. Zwölf Stunden am Stück habe sie letzte Nacht geschlafen. Langsam würden die Batterien wieder aufgeladen. Manuela Baldus hat es sich mit einer Tasse Tee und einem Roman ihrer Lieblingsautorin Jojo Moyes in der Hotellobby gemütlich gemacht. Tags zuvor ist sie auf dem Grotzliweg gewandert, «ich allein in den Bergen, rundum Schnee und Natur – kein Covid weit und breit».

Foto: Zu sich selbst finden, zur Ruhe kommen: Pflegefachfrau Manuela Baldus in der Lobby des Hotel Terrace in Engelberg

Der ganze Artikel hier: Presseschau.

https://epaper.sonntagszeitung.ch/index.cfm/epaper/1.0/share/email?defId=10000&publicationDate=2020-10-11&newspaperName=SonntagsZeitung&pageNo=23&articleId=114062341&signature=3EA282586D812AB4226849BA9569D4A1FA33FE3E

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