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Dank Corona erkennen wir endlich an, wie «systemrelevant» viele Berufe sind, die wir lange geringgeschätzt und totgespart haben

Radio Regenbogen Award 2018

Foto: Sven Mandel / CC-BY-SA-4.0

Der deutsche Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen empfängt zur Sprechstunde. In einem Zeitungsinterview äussert er sich auch zur Pflegesituation in Deutschland und der Schweiz:

Sie haben wiederholt erwähnt, dass Tausende deutsche Fachkräfte aus dem Pflegebereich in die Schweiz abgewandert sind.

Meine Zeit als Unterassistent im Bezirksspital Murten hat mich sehr geprägt. In der Pflege gibt es in der Schweiz ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Man ist nicht «Handlanger» der Halbgötter, sondern kann viel, was die Ärzte nicht können. Es ist viel attraktiver, so zu arbeiten. Und die Schweiz kann es sich leisten, mehr zu zahlen, weil sie ja die Kosten für die Ausbildung outgesourct hat. Wie immer sehr effizient! Im Ernst: Das Schweizer Gesundheitswesen würde zusammenbrechen ohne die Deutschen. So wie das deutsche auch davon lebt, dass wir Menschen aus anderen Ländern verpflichten. Aber eigentlich würden die meisten gern dort arbeiten, wo ihre Familien sind. Und dank Corona erkennen wir endlich an, wie «systemrelevant» viele Berufe sind, die wir lange geringgeschätzt und totgespart haben.

Wie verhindern wir zukünftig einen internationalen Wettbewerb ums Pflegepersonal?

Mehr Gesundheitskompetenz in die Allgemeinheit! Die grösste Gruppe im Gesundheitswesen ist unsichtbar: pflegende Angehörige. Was sie jeden Tag ungelernt und unbezahlt tun, ist ein Vielfaches von dem wert, was die Pflegekassen überhaupt an Geld haben. Und der Bedarf steigt rapide durch unsere gestiegene Lebenserwartung. Auch hier würde ich gern von der Schweiz lernen, die in jedem Bürger einen «Reservisten» sieht. Wo ist unsere «Pflegereserve»? Mein Vorschlag: Jeder macht nach der Schule ein Jahr für die Gemeinschaft, bekommt dafür ein Zertifikat als «Pflegehelfer». In Krisen gäbe es dann viele, auf deren Grundwissen wir zurückgreifen könnten. Und die demografische Krise und die ökologische kommen ja erst noch.
Das ganze Interview hier:

https://epaper.derbund.ch/index.cfm/epaper/1.0/share/default?defId=46&publicationDate=2020-04-03&newspaperName=Der%20Bund&pageNo=29&articleId=111006470&signature=FDC996883C853D4A8810C7E0E4913126B992DCD3
Interessanter Artikel aus Der Bund E-Paper

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