Spitex-Dienste verschärfen ihre Verhaltensregeln im Umgang mit Patienten

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Zwei Meter Abstand, nicht länger als 15 Minuten. Dies sind zwei der wichtigsten Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), um eine Übertragung des Coronavirus zu verhindern. Was vielen schon im Alltag Mühe bereitet, ist für die Mitarbeitenden der Spitex fast unmöglich. «Wir sind zurzeit daran, unsere Mitarbeitenden entsprechend zu schulen», sagt Claudine Bumbacher, Geschäftsführerin der Spitex Bern. Allerdings könne der 2-Meter Abstand zum Patienten bei den wenigsten Handlungen eingehalten werden.

Nahe am Patienten

Im Normalfall arbeiten die Mitarbeitenden der Spitex Bern bisher ohne Mundschutz. Im Kontakt mit Patienten mit Erkrankungs-Symptomen soll sich das Personal gemäss BAG aber mit Maske, Handschuhen und einer Überschürze schützen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Bei der Spitex Bern ist man diesbezüglich gerüstet.

Einzig bei den Masken könnte sich ein Mangel abzeichnen, falls die Zahl der Ansteckungen zunehmen sollte. «Wir sind mit dem Kantonsapotheker in Kontakt und hoffen, bald neue Masken zu erhalten», sagt Bumbacher. Zentral sei aber die Einhaltung der BAG-Verhaltensregeln, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. «Unsere Kunden sind in der Regel etwas weniger mobil und haben dadurch hoffentlich weniger Ansteckungsmöglichkeiten», sagt Bumbacher.

Risikoreicher Einkauf

Wird der Einsatz von Masken nötig, könnte es bei der Bieler Privatspitex Iduna schwierig werden. «Wenn wir jemanden zu Hause isolieren müssten, hätten wir rasch ein Problem», sagt Geschäftsführerin Lisa Pelikan. Dann müsste wohl der Hausarzt über die weitere Behandlung befinden, da eine Hospitalisation von Kunden, die über achtzig Jahre alt sind, kaum mehr angezeigt sein dürfte, sagt Pelikan.

Die Kundschaft der kleinen Privat-Spitex ist relativ mobil. Laut Pelikan kann der vom Bund empfohlene Abstand von zwei Metern in den meisten Fällen eingehalten werden.

Im Unterschied zur öffentlichen Spitex erledigen die Mitarbeitenden von Iduna die Einkäufe mit den Kunden. Viele Patienten und Patientinnen möchten dabei mitfahren, weil das für sie oft der einzige Ausgang sei, sagt Geschäftsführerin Pelikan. Obwohl die Kunden auf die Gefahr hingewiesen würden, wollten sie auf diesen Ausflug nicht verzichten. Sie nähmen das Risiko auf sich. Verbieten könne man das nicht. «Das Einkaufen ist ein Dilemma für uns», sagt Pelikan. Von den Nebenwirkungen der Isolation für ältere Mitmenschen spreche niemand. «Man kann auch vor lauter Einsamkeit krank werden», sagt Pelikan.

Nach unten niesen

Was die Eindämmung des Virus betrifft, hält Pelikan die strikte Einhaltung der BAG-Verhaltensempfehlungen für zentraler als einen nicht zweckmässigen Gebrauch von Masken. Bei der Spitex Iduna wurden die Verhaltensempfehlungen noch verschärft: So tragen die Mitarbeitenden standardmässig ein Oberteil mit kurzem Ärmel. Da ist das Niesen in die Armbeuge wenig hilfreich. Die Mitarbeitenden sollen vom Patienten wegstehen und nach unten niesen, sagt Pelikan. Zudem müssten sie etwa darauf achten, das Schliessen der Wohnungstüre den Patienten zu überlassen.

Bernhard Ott – Der Bund, 19.3.2020

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