Den Umgang mit assistiertem Suizid kann man lernen – auch im Heim

Von Claudia Gohrbandt, Palliative-Expertin MAS (FHO)

Der Anteil alter/hochaltriger Menschen (Babyboomer) wächst. Ebenso ändern sich die Bedürfnisse, wie alternde Menschen ihre restliche verbleibende Lebenszeit verbringen wollen. Sie informieren sich über die Möglichkeiten. Weg von starren Vorgaben – hin zu individuellen Vorstellungen, zu mehr Mitspracherecht, Mitentscheidung und Selbstbestimmung.

Vorliegende Erkenntnisse beeinflussen die Betreuung/Begleitung in den Institutionen des Gesundheitswesens der Schweiz. Auch die Langzeitpflege. Sei es der Wunsch nach einer professionellen Palliativbegleitung, einen Beistand beim freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit oder beim Abgang mit EXIT. Ein solcher ist in der Langzeitpflege inzwischen zur Realität geworden.

Verantwortliche Gremien tun sich nach wie vor schwer mit der Entscheidung einen assistierten Suizid im Betrieb zuzulassen, oder nicht. Aussagen wie: «Wir sind ein christliches Haus, bei uns ist das nicht möglich» sind allgegenwärtig.

Fragenkatalog

Mir stellt sich die Frage ob es denn christlich ist, alte Menschen für den Vollzug eines assistierten Suizids ihrer beheimateten Umgebung zu entreissen. Das Gegenteil lässt sich in der Praxis zunehmend beobachten. Die individuelle Prüfung des Einzelfalls. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema scheint auf jeden Fall unausweichlich.

Mein Fragenkatalog unterstützt Institutionen, sich frühzeitig auf den Ernstfall vorzubereiten:

-Wie und mit welchen Massnahmen bereitet sich der Betrieb ganz allgemein auf das vorliegende Szenarium vor? Gestattet sie den assistierten Suizid nach sorgfältiger Prüfung des Einzelfalls oder nicht?

-Mit welcher Haltung begegnet die Institution den Menschen, die für sich den Weg des assistierten Suizids entscheiden?
-Gelingt es die An- und Zugehörigen während des Prozesses von Beginn an mit zu begleiten? Wie, in welcher Form, mit welchen Massnahmen?

-Sind alle Prozessschritte mit der nötigen Transparenz für das ganze interprofessionelle Team abgebildet? Wird in mindestens zwei Rundtischgesprächen über den Stand der Abklärungen/des weiteren Vorgehens informiert?

Pflegende mit Migrationshintergrund

-Wie geht die Institution mit dem hohen Anteil an Betreuungspersonen mit Migrationshintergrund um? Ist das nötige Verständnis vorhanden, wenn sie aus Glaubensgründen nicht in den Prozess involviert sein möchten? Wie werden sie während des Prozesses am Rande begleitet/unterstützt?

-Wie sieht die direkte Zusammenarbeit/der Austausch mit der Sterbehilfeorganisation aus? Findet ein abschliessendes, gemeinsames Debriefing im interprofessionellen Team statt?

-Wie gestaltet sich die Abschieds-/Trauer/-Ritualkultur nach dem assistierten Suizid?

-Findet eine an das Ereignis zeitnahe, betriebsinterne Evaluation im interprofessionellen Team statt?

Diese und ähnliche Fragen erläutere ich an meinen Thementagen.

Ich unterstütze Sie bei einer professionellen Auseinandersetzung mit dem assistierten Suizid. c.gohrbandt@hotmail.com

Den aktuellen Bedürfnissen kann sich auch eine Institution der Langzeitpflege nicht entziehen.

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