Vier von fünf Sedationen finden nicht auf der Palliativstation statt

 

In der Schweiz erlebt fast jeder vierte Mensch sein Lebensende in einem künstlichen Tiefschlaf. Vor 18 Jahren war es noch jeder zwanzigste. Dies ist das Ergebnis verschiedener Studien Zürich und Genf. Studienautor und Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Georg Bosshard, erklärt im Interview mit der Online-Plattform «bluewin.ch» – der Text ist zuvor im Magazin der Sterbeorganisation Exit erschienen – die Grenzen der terminalen Sedierung.

Eine klassische Indikation liege dann vor, wenn man medizinische Symptome am Lebensende – Atemnot, Schmerzen und Unruhe – auf einem anderen Weg nicht mehr in den Griff bekomme. Zentral dabei sei, die (mutmassliche) Zustimmung des Patienten, keine alternative Option sowie ein Lebensendzustand, bei dem der Patient eine Prognose von wenigen Stunden bis wenigen Tagen hat. Zudem müsse in einem Protokoll festgehalten werden, weshalb, wie lange und mit welchen Substanzen sediert wird, wen man in die Entscheidung einbezogen hat und dass die Sedierung sachgemäss durchgeführt wurde. In seiner anonymen Umfrage bei Ärzten stellte Bosshard fest, dass vier von fünf terminalen Sedierungen nicht auf einer Palliativstation stattfinden. «Palliativmediziner kennen die Thematik in- und auswendig.» Viel schwieriger sei es, wenn jemand etwa in der Urologie Abteilung in einem Spital im Sterben liege.

Dann komme es manchmal zu Situationen wie vor 30 Jahren. Man müsse über viel mehr in Pflegeheimen und anderen Abteilungen von Spitälern über terminale Sedierung sprechen. Bosshard, der Mitglied im Ethikrat von Exit ist, hält die terminale Sedierung aus ethischer Sicht für einen schwerwiegenden Entscheid. Es gebe immer wieder Patienten, bei denen die terminale Sedierung lebensverkürzend wirke, da man mit der Sedierung gleichzeitig die künstliche Ernährung und die Zufuhr von Flüssigkeit stoppe. «Grundsätzlich betrachte aber auch ich die terminale Sedierung nicht als eine Form von Sterbehilfe im engeren Sinne, sondern als eine eigene Form einer medizinischen Entscheidung am Lebensende.»

Mehr dazu hier:

https://www.pallnetz.ch/medienschau-august-2019.htm

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