Es werden immer mehr Schutzmassnahmen für Betagte nötig

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Wegen der Alterung der Bevölkerung betreuen die Kesb-Stellen in der Schweiz zunehmend betagte Personen.

Sie sind vor allem im Gespräch wegen Massnahmen zum Kinderschutz, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb). Vergessen geht dabei oft, dass die Behörden auch für hilfsbedürftige Erwachsene zuständig sind – und zwar immer mehr. So bestanden Ende letzten Jahrs Schutzmassnahmen für 94359 Erwachsene, eine Zunahme von vier Prozent zum Vorjahr.

«Wegen der Alterung der Bevölkerung wird die Anzahl dieser Schutzmassnahmen auch in den nächsten Jahren steigen», sagte Guido Marbet, Präsident der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz, gestern vor den Medien in Bern. Praktisch unverändert blieben derweil im Vergleich mit dem Vorjahr die 41993 Kinder-Schutzmassnahmen der rund 150 Kesb-Stellen.

Wie Marbet betont, wird die Kesb nie von sich aus tätig, sondern nur auf Meldung hin. Beim Erwachsenenschutz kann es etwa die Hausärztin oder ein Spitex-Mitarbeiter sein, der an die Behörde gelangt, weil eine alleinstehende, betagte Person den Alltag nicht mehr bewältigen kann. «Die Kesb übernimmt, wenn das familiäre Netz nicht funktioniert», sagt Marbet.

Das könne der Fall sein, wenn die Angehörigen überfordert sind mit der Situation, für einen betagten Elternteil Entscheidungen zu fällen. Oder wenn die Kinder untereinander verkracht sind und uneins, ob die Mutter nun in ein Heim soll oder nicht.

Selbstbestimmung erhalten

Bei massgeschneiderten Beistandschaften (83 Prozent der Fälle) kümmert sich ein Beistand in Absprache mit der betroffenen Person um die Rückerstattung von Krankenkassen-Geldern, zahlt die Miete oder sucht eine neue Wohnung. Bei umfassenden Beistandschaften (17 Prozent) – etwa bei stark dementen Personen ohne familiäre Unterstützung – leistet die Kesb Hilfe in allen Lebenslagen.

Gemäss Marbet möchte die Kesb die Zusammenarbeit mit vorgelagerten Diensten wie der Pro Senectute ausbauen. Pro-Senectute-Präsidentin Eveline Widmer-Schlumpf führte aus, was ihre Organisation beim Erwachsenenschutz leistet. So wurden 2018 über 50000 Sozialberatungen und 1,6 Millionen Service-Einsätze wie Steuererklärungs-, Fahr- und Besuchsdienst erbracht. «Oberstes Ziel ist es, die Selbstbestimmung zu erhalten und zu fördern», sagte die frühere BDP-Bundesrätin.

In den Kantonen Zürich und Basel-Stadt ist die Kooperation schon so weit fortgeschritten, dass Pro Senectute im Auftrag der Kesb Beistandschaften führt und private Beistände rekrutiert.

Kindeswohl akut gefährdet

Beim Kinderschutz stehen gemäss Marbet einvernehmliche Lösungen und unterstützende Massnahmen im Vordergrund: «Rund 79 Prozent der Fälle sind Beistandschaften, bei denen die Eltern bei der Erziehung unterstützt oder Kinder in der schulischen Entwicklung begleitet werden.» In den meisten Fällen gehe es um die Vermittlung bei Besuchsstreitigkeiten zwischen den Eltern. Ziel sei es, dem Kind den Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen.

4838 laufende Massnahmen (11 Prozent der Fälle) betreffen den Entzug des Aufenthaltsbestimmungs- oder des Sorgerechts, weil das Kindeswohl akut gefährdet ist. Gründe können eine Drogensucht der Eltern, Überforderung oder häusliche Gewalt sein. Für Marbet untermauern die stabilen Zahlen beim Kinderschutz sowie die Analyse der Fälle, dass die Kesb mit verhältnismässigen Massnahmen tätig wird.

Der Bund, 6.9.2019

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