Palliative Care: Handlungsbedarf in Österrreich

Der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft, Rudolf Likar.

Zehn bis 20 Prozent der Sterbenden benötigen eine spezialisierte medizinische und pflegerische Betreuung an ihrem Lebensende, 80 Prozent können in der medizinischen „Regelversorgung“ betreut werden. Ein flächendeckendes und mehrstufiges Betreuungssystem ist in Österreich erst in Umsetzung, teilweise fehlt noch die gesicherte Finanzierung sagte der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft, Rudolf Likar  bei einer Pressekonferenz in Wien.

„2004 haben wir bereits einen Plan zur abgestuften Palliativversorgung in ganz Österreich erstellt. Bis 2020 soll er endgültig flächendeckend umgesetzt werden“, sagte Prof. Likar. In der Palliativmedizin geht es speziell darum, Patienten mit nicht mehr heilbaren Erkrankungen eine möglichst hohe Lebensqualität zu sichern. 80 Prozent der Betroffenen sind Krebskranke. Doch oft langwierige, schwerste und sich chronisch verschlechternde andere Erkrankungen – zum Beispiel chronische Herzinsuffizienz oder chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) – gehören ebenfalls dazu.

Für eine abgestufte Versorgung von Menschen an ihrem Lebensende sind umfangreiche organisatorische, pflegerische und medizinische Vorkehrungen und Betreuungsmöglichkeiten erforderlich. Dazu gehört auch das Führen entsprechender Beratungs- und Informationsgespräche mit den Betroffenen. In einem „Vorsorgedialog“ kann zum Beispiel gemeinsam mit den Pflegenden abgeklärt werden, welche medizinischen Interventionen vom Patienten im Fall des Falles noch erwünscht sind. Längerfristig – zum Beispiel bei Krebspatienten in einem fortgeschrittenen Stadium – wäre eine vorausschauende Planung („Advanced Care Planning“) wichtig.

„Allein in Kärnten gab es pro Jahr rund 1.000 bodengestützte oder mit dem Notarzthubschrauber durchgeführte Krankenhaustransporte von Patienten aus Pflegeheimen in Akutspitäler“, sagte Likar. Dort würden Kranke in ihren absehbar letzten Lebensstunden oft noch in Intensivabteilungen gebracht, was keinen Sinn mache. Wie Likar und Herbert Watzke, Leiter der Klinischen Abteilung für Palliativmedizin am Wiener AKH (MedUni Wien) erklärten, sollten betreuende und palliativmedizinisch ausgebildete Ärzte das Gespräch mit den Betroffenen aktiv suchen. „Die Menschen spüren, in welcher Lebensphase sie sind. Sie sind dankbar, wenn man diese Dinge anspricht.“ Im Medizinstudium hätte man bereits solche Lehrinhalte in ganz Österreich etablieren können, jeder fertige Arzt sollte eigentlich auch die wichtigsten Kenntnisse der Palliativmedizin beherrschen.

Es gibt aber weiterhin Defizite. „Die Finanzierung der palliativmedizinischen Einrichtungen steht noch auf ‚tönernen Füßen‘. Noch immer ist es so, dass etwa die Hälfte der notwendigen Strukturen finanziert ist, davon wiederum nur die Hälfte in Regelfinanzierung“, sagte Watzke. Von 28. bis 30. März findet in Innsbruck der 7. Österreichische interprofessionelle Palliativkongress statt. Ausgebildetes Ärzte- und Pflegepersonal im Rahmen der niedergelassenen medizinischen Versorgung, ambulante Palliativteams, Konsiliar-Palliativmediziner an kleineren Krankenhäusern und spezialisierte Stationen an größeren Spitälern sollten einander ergänzen, hieß es bei der Pressekonferenz. Das alles bedeutet aber notwendigen organisatorischen, personellen und finanziellen Aufwand. Likar kritisierte zum Beispiel, dass der Pflegeregress zwar abgeschafft worden sei, dafür aber weiterhin hohe Aufwendungen für die Pflege von Palliativpatienten zu Hause entstehen können.

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