• Kontakt zu Claudia Gohrbandt

    Mail-Adresse:
    c.gohrbandt@hotmail.com

    Dipl. Pflegefachfrau HF, Expertin Palliative Care MAS (FHO) Master-Arbeit

    Beruflicher Werdegang

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  • Schulungsangebote im Detail

    Ich biete Inhouse-Schulungen für Langzeitinstitutionen und Spitexbetriebe in der Palliativversorgung an. Mit dem Ziel einer Zertifizierung (palliative.ch) Liste C, Langzeitpflege (qualite`palliative) oder der zur Verfügungstellung von Richtlinien.

    Alle Kursinhalte auf einen Blick

    Für alle weiteren Berufsgruppen der Langzeitinstitution stehen speziell angepasste Schulungsmodule (Basics) zur Verfügung (Interdisziplinäre Zusammenarbeit) die beliebig kombinierbar sind.

    Das Angebot umfasst die Vorbereitung / Begleitung des gesamten Zertifizierungsprozesses: Konzept / Schulung / nachhaltige Implementierung in die Praxis.

    Die Schulungen erfolgen in Form von In-house Schulungen in den Langzeitinstitutionen und Ausbildungszentren.

    Ich halte Referate an Kongressen / öffentlichen Veranstaltungen zu allen Themen der „End of Life Care“ in der Langzeitinstitution.

    Claudia Gohrbandt

  • Beratungsgespräche


    - Worauf muss ich achten, wenn mein Vater / meine Mutter nicht mehr alleine zu Hause leben kann?
    -Wie wähle ich ein geeignetes Heim aus?
    - Was gilt es bei einem Eintritt zu beachten?
    -Welche Betreuungskonzepte sind am Ende des Lebens von Bedeutung?
    Auf diese oder ähnliche Fragen finden wir gemeinsame Antworten in einem Beratungsgespräch. Anmeldung:
    c.gohrbandt@hotmail.com

Umgang mit Sterben, Tod und Trauer in der Praxis der letzten 40 Jahre

Unter dem Kastanienbaum

Der erste Todesfall, den eine Pflegefachperson während ihrer Berufsausübung erlebt, prägt. Er rüttelt auf, setzt Emotionen sowie Bilder frei. Es sind Bilder, die nie in Vergessenheit geraten. Aus ihnen entstehen Anknüpfungspunkte zu späteren Todesfällen. Für mich zu einem «Learning» geworden ist, wie wir junge BerufskollegInnen in diesen Situationen begleiten und unterstützen.

Von Claudia Gohrbandt, Expertin Palliative Care MAS (FHO)

Auch ich erinnere mich an mein erstes Todeserlebnis, das 39 Jahre zurückliegt. Ich sehe diesen hochaltrigen Mann, Herr E., vor mir, als wäre es erst gestern gewesen. Als 17jährige Lernende absolvierte ich im Frühling 1978 mein erstes Praktikum auf der medizinischen Abteilung des Rudolfinerhauses in Wien. Morgens pflegte ich Herr E. im Bett liegend. Aufgrund des hohen Alters und seiner Schwäche war er nicht mehr in der Lage aufzustehen, um sich selbständig zu pflegen. Somit übernahm ich die Ganzkörpertoilette.

Im Anschluss daran sagte er zu mir: «Wunderbar, wie die Kastanienbäume blühen». Ich hörte seinen Wunsch. In diesem Augenblick hätte ich nicht gedacht, dass das sein letzter sein sollte.

Nach Rückfrage bei der diplomierten Kollegin fuhr ich ihn, im Bett liegend, in die wunderschöne Parkanlage. Ich stellte das Bett unter den Baum, den er sich ausgesucht hatte. Der Himmel zeigt sich strahlend blau, der Kontrast der rosa Blüten konnte schöner kaum sein. Ich spüre die laue Maienluft noch heute. Sie brachten die Blätter zum Rascheln.

Lebensbilanz

Herr E. erzählte mir aus seinem Leben. Das Gespräch wurde zu seiner «Lebensbilanz». Es waren persönliche Begebenheiten, die er mir anvertraute. Das löste in mir Freude und Glück aus. Diese Glücksgefühle begleiteten mich durch die Mittagspause.

Zum Dienstantritt am Nachmittag kam mir die diplomierte Kollegin bei der Glastüre entgegen. Sie legte den Arm um mich und begleitete mich in einen Nebenraum. Dort teilte sie mir mit, Herr E. sei über Mittag friedlich verstorben. Im ersten Moment konnte ich es kaum fassen. Meine Kollegin bot mir an, dabei zu helfen, Herrn E. zu waschen, zu kleiden und ein letztes Mal zu betten. Falls ich es nicht schaffen würde, die ganze Zeit dabei zu sein, könne ich den Raum jederzeit verlassen. Das war nicht nötig. Gut vorbereitet empfand ich die Situation als völlig natürlich und für mich als absolut stimmig.
Mit meiner heutigen Praxiserfahrung und dem Wissen der Palliativversorgung kann ich einordnen, dass ich damals intuitiv Herr E. mit dem Besuch im Park seinen letzten Wunsch erfüllt habe und er die Möglichkeit erhielt, seine ganz persönliche Lebensbilanz zu ziehen.

Diese Erfahrung ist nicht die Regel. In der Pflege Sterbender gelingt leider nicht immer eine würde- und respektvolle Begleitung.

Beklemmung

In meiner Erinnerung ist auch ein Sterben, das ich mit Isolation, Kälte und Einsamkeit assoziiere. Diese selbstkritischen Gedanken gehören auch zu meinem Werdegang: Sobald Anzeichen des bevorstehenden Todes wie die Rasselatmung auftraten, erfolgte die Verbannung in das Badezimmmer. In einem kalten, von weissen Fliessen umgebenen und nach Möglichkeit gut gelüftet Raum fristeten Sterbende Ihre letzten Tage und Stunden. Für die heutige Zeit schier unvorstellbar.

Wir waren damals Teil dieser Praktiken, die wir als selbstverständlich akzeptierten. Uns, mir war kein anderer Umgang mit Sterbenden bekannt. Die Angehörigen waren weit weg, ganz und gar nicht in Lebensendprozesse eingebunden. Trauer und Trauerbegleitung wurde nicht mit einem Wort thematisiert. Was inzwischen von diesen Prägungen zurückbleibt, ist Entsetzen und Schaudern und ein grosses Unverständnis, dass es so etwas je gab.

Ein weiteres äusserst beklemmendes Erlebnis ist das von einer Kinderintensivstation. Eines Morgens beim Anziehen der Berufskleider wunderte ich mich über ein kleines, weisses Holzkistchen das am Boden stand. Ich wagte es kaum, doch meine persönliche Neugierde verleitete mich dazu, näher zu treten. Ich glaubte meinen Augen nicht. Ein totes Kind lag darin, in eine weisse Windel eingehüllt, ein Ärmchen ragte über den Rand der Kiste raus. Nachdenklich hielt ich inne. Scheinbar galt es damals als normal, dem verstorbenen Kind wenig bis gar keinen Respekt entgegen zu bringen. Es gehörte zur Normalität des Alltags. Mir blieb nichts anderes übrig, es auch als «normal» zu betrachten. Und doch – Traurigkeit blieb zurück.

Zwei Pionierinnen

Voller Demut und tief dankbar würdige ich heute sämtliche Bemühungen zum Thema der Palliativversorgung. Die wertvolle Arbeit unzähliger PionierInnen tragen dazu bei, andere Visionen des Sterbens, des Todes und der begleiteten Trauer zu realisieren. An vorderster Front müssen Elisabeth Kübler-Ross und Ciceley Saunders erwähnt werden. Ihnen haben wir für den Fortschritt viel zu verdanken.

Auch Elisabeth Ross musste schmerzvolle Erfahrungen machen. Als sie in einem Spital in New York Interviews mit Sterbenden machen wollte erhielt sie die Antwort: «Bei uns wird nicht gestorben». Über viele Jahre hinweg versuchten Spitalleitungen das Sterben zu verheimlichen und Statistiken zu Schönen um dem Ruf ihrer Institution nicht zu schaden.

Welche Schlussfolgerungen ziehen wir aus den Berufspraktiken und Haltungen der letzten vierzig Jahre für die Aus- und Weiterbildungen unseres Berufstandes? Die Prinzipien, die eine Palliativversorgung ausmachen, gehören in die Grundausbildung aller Pflege- und Betreuungsberufe.

Meine Bilanz

Aus meinem ersten Todesfall im Rodolfinerhaus ging ich gestärkt heraus. Aus heutiger Sicht betrachtet stand der Kastanienbaum am Anfang meines Weges zu einer höheren intuitiven Spiritualität in der Begleitung am Lebensende.

Claudia Gohrbandt, Gümligen

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